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Walter Frey - Nachruf
1968 wählten die Stimmberechtigten Walter Frey an der Urne als Gemeindeschreiber. 1982 legte er diese Aufgabe nieder. Ein weiterer Karriereschritt stand an. Er wurde Regierungsstatthalter des Amtsbezirks Bern. Als Regierungsstatthalter war er im Amt, bis ihn die Ittiger Stimmberechtigten Ende 1986 in einer Kampfwahl zum ersten vollamtlichen Gemeindepräsidenten wählten.
Ende 1996 trat Walter Frey als Gemeindepräsident zurück. In seiner zehnjährigen Präsidialzeit erreichte er dank seinem grossen Engagement und seiner Durchschlagkraft vieles. Durch seinen Einfluss bei der Ortsplanung entwickelte sich Ittigen zur attraktiven Wohngemeinde mit zahlreichen Arbeitsplätzen in unmittelbarer Nähe des öffentlichen Verkehrs. Ein funktionierendes Gemeindeleben war für ihn das «A und O». So förderte er unermüdlich die Vereinstätigkeit und das Vereinsleben und lancierte zahlreiche Begegnungsmöglichkeiten für die Einwohnerinnen und Einwohner. Aus seinem Ideenreichtum entstanden namentlich der Ittiger Märit, der Neujahrsapéro, die seinerzeitigen Schermenspiele, die Jugendarbeit und verschiedene Angebote für Seniorinnen und Senioren, die es heute noch gibt. Auch die Zusammenarbeit über die Gemeindegrenze hinaus war Walter Frey wichtig. Aus diesem Hintergrund entstand die zur Tradition gewordene Hilfe im In- und Ausland und dadurch wertvolle Kontakte mit anderen Gemeinden.
Nach seinem Rücktritt als Gemeindepräsident stand Walter Frey weiter in der Öffentlichkeit. Er blieb bis Mai 2002 Mitglied des Grossen Rats, arbeitete im Verwaltungsrat des Stadttheaters mit und präsidierte die seinerzeitige Regionale Verkehrskonferenz, den Verwaltungsrat der Wasserverbund Region Bern AG, die Berufs-, Fach- und Fortbildungsschule (BFF) und zusätzlich YB. Auch engagierte er sich als Geschäftsführer für Langzeitarbeitslose im Verein «Arbeit statt Fürsorge».
Mehr als drei Jahrzehnte setzte sich Walter Frey unermüdlich für die Gemeindepartnerschaft zwischen Ittigen und der weissrussischen Stadt Dobrusch ein, die 1986 vom Reaktorunfall in Tschernobyl stark betroffen war. Unter seiner Aufsicht organisierte Ittigen am Anfang der Partnerschaft Ferienlager für Kinder, Hilfstransporte und über Jahre eine Spendenaktion zu Weihnachten. Zusätzlich besuchten Ärzte und Lehrpersonen aus Dobrusch auf Einladung mehrere Male Ittigen. Ittigen unterstützte die weissrussische Stadt über Jahre auch finanziell. So war es namentlich möglich, in Dobrusch eine Spitex-Organisation aufzubauen. Unzählige Male reiste Walter Frey auf eigene Kosten mit seiner Russisch sprechenden Frau Vreni nach Weissrussland, um den Kontakt mit den Behörden zu pflegen, den Mitteleinsatz vor Ort zu überwachen und neue Projekte zu evaluieren. Walter Frey präsidierte auch die Spezialkommission «Partnerschaft Dobrusch» und später den Verein «Partnerschaft Ittigen-Dobrusch», der Ende 2020 aufgelöst wurde. Die Stadt Dobrusch verlieh Walter Frey die Ehrenbürgerschaft.
Walter Frey war mit Ittigen stark verbunden. Entsprechend gross war sein Engagement - sowohl als Gemeindeschreiber, wie auch als Gemeindepräsident. Keine Herausforderung war ihm zu gross. Er war ein Macher: Einer der gerne Entscheide fällte und auch gerne in der Öffentlichkeit stand. Walter Frey war aber auch eine Integrationsfigur. Er hatte das Flair, Unterschiedliches zu integrieren und zu einem übergeordneten Ganzen zusammenzuführen. Dadurch prägte er viele Geschäfte und Fragen der Gemeinde. Bei seiner Arbeit standen die Einwohnerinnen und Einwohner aber immer im Zentrum. «Ein Politiker soll spüren, was die Menschen bewegt, sehen und hören können, was sich im Volk tut» - das sind Worte von Walter Frey, für die er einstand und als Vorbild auch lebte.
Nun ist Walter Frey nicht mehr. Die vielen Spuren, die er in Ittigen hinterlässt sind unauslöschlich. Walter Frey wird der Gemeinde als beeindruckende Persönlichkeit mit Weitblick und unerschöpflicher Energie immer in Erinnerung bleiben.